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Es ist zum Heulen - Scheiss Corona!

Corona, Covid-19, Sars Cov 2 aber hauptsächlich Corona. Das Unwort des Jahres 2020. Oder schafft es "Lockdown" auf die diesjährige Bestsellerliste? Es könnte auch "Hamsterkäufe" werden. Auf jeden Fall ist klar, dass es das Jahr 2020 in die Geschichtsbücher schaffen wird. Weltweit.  

Normalerweise schreibe ich über Vorrat, über Lebensmittel und über Genuss. Seit mir am Montag beim Zwiebelschneiden die Tränen über die Backen gelaufen sind, spukt mir allerdings anderes im Kopf herum. 

 

Wie geht es uns Kleinproduzenten? Das ist die Frage die mich umtreibt. Uns, die wir viele Stunden in den Küchen stehen. Die wir so lange daran arbeiten, bis unsere Produkte herausragend sind. Wie denen, die ein Kochstudio betreiben und alles geben, damit du in wunderbarer Atmosphäre von tollen Kursleitern lernen kannst? All jenen, die schon vor dem Lockdown unendlich viel gearbeitet haben, weil es Handwerkskunst ist. Und jenen, die vorher schon nicht viel verdient haben, nur grad soviel, dass es zum Leben reichte? Ja, wie geht es uns - das ist eine gute Frage!?

 

Mein 2020 als Kleinproduzentin

Das Jahr hat gar nicht so schlecht gestartet. Nach einem guten Abschluss 2019 ging es im neuen Jahr mit dem Zitruskurs im Esspunkt Laupen los. Dann die Produktion für die Frühlingsmärkte, planen für fünf Kurse im Mai und Mitte März Zitrus World im Gartencenter Meier. Dann kam der Lockdown. 

 

Alles abgesagt, alles stillgelegt. Anfangs noch ungläubig, dass so etwas möglich ist, fand ich mich plötzlich als Lehrerin meiner Kids am Esstisch wieder. Die Arbeit von Hundert auf Null an einem Wochenende. Respektive eben eine andere Arbeit. Ausgebremst. 

  

Die Chance!

Klar, es wäre meine Chance gewesen! Online verkaufen, Werbung machen, Gas geben! Nur mit welcher Energie? Klar meine lieben Stammkunden haben bestellt. Kein Problem. Das konnte ich schaffen. Aber noch mehr? Für mich unmöglich. Weil schlicht keine Energie da war, um nachts, wenn mein Mann die Kids übernahm, noch kochen zu gehen. Viele meiner KollegInnen mussten es machen, um Geld zu verdienen. Tagsüber Lehrer, nachts Sirupproduzent. 

 

Mein Privileg - Für viele ist die Existenz bedroht

Ja, es ist ein Privileg. Ich konnte es so handhaben. Meine Arbeit habe ich an den Schreibtisch verlegt und wärend meine Kinder Hausaufgaben machten, konnte ich neue Wege gehen. Unter anderem ist so der Blog stattlich gewachsen. Ich konnte endlich innehalten, Pläne schmieden und schreiben. Und trotzdem ist die Zeit auch an mir nicht spurlos vorbei gegangen. An meinen Jahresabschluss will ich gar nicht denken. 

Viele waren weniger privilegiert. sie haben hohe Mieten der Produktionsräume, die bezahlt werden muss, Mitarbeitende die ihren Lohn bekommen müssen. Einbussen auf der ganzen Breite. Für Einzelunternehmer, war lange nicht klar war, ob sie überhaupt Unterstützung vom Staat bekommen, oder ob das einfach Unternehmerrisiko ist. Es trifft all die, welche schon vor der Krise nicht viel verdient haben. Die, welche alles in den Ausbau ihres Unternehmens stecken. Die die sich wenig auszahlen um zu wachsen. Und das alles mit viel Liebe, Optimismus und einem riesigen Arbeitspensum.  Genau die traf Corona mit voller Breitseite. 

 

Aufatmen im Sommer

Endlich gingen die Zahlen runter, der Lockdown wird aufgehoben. Einiges kann aufgeholt werden. Neue Pläne können umgesetzt werden. So langsam erholen wir Kleinbetriebe uns. 

 

Aber das Schlimme ist, das war nur der Anfang. Sozusagen zum Üben. Die zweite Welle traf uns alle mit voller Breitseite. Zwar keine Lockdown, aber man soll daheim bleiben, sich nicht treffen und alles Unnötige unterlassen.

 

Die Fallzahlen in der Schweiz sind innert kürzester Zeit explodiert. Ein zweiter Lockdown diskutiert. Aber wegen wirtschaftlicher Folgen davon abgesehen. 

 

Was mich richtig sauer macht!

Klar dürfen wir im Moment (im Kanton Zürich) die Betriebe offen halten. Die Manufakturen sowieso. Events bis 50 Personen, selbstverständlich mit Konzept. Kochkurse im kleinen Rahmen bis zu max. 10 Personen total. 

 

Beschissen ist nur: Keiner will ein Weihnachtsessen machen (was ich mit den jetzigen Zahlen durchaus verstehe). Gebuchte Events werden laufend storniert, oder verschoben. Klar, wir können verschieben. Gutscheine ausstellen. Jaaaa! Aber der Ausfall ist da, die Miete muss bezahlt werden. Fixkosten halt. 

Klar kann ich meine Produkte verkaufen, aber was wenn ich 50% Gastronomiekunden habe? Die dürfen doch offen haben? Jaaaa, aber keine Gäste = kein Warenbedarf. Die Gäste sollen zu Hause bleiben, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. 

Wenn ich dieses Gedanken-Karussell weiter drehe, wird mir richtig schlecht. Es ist grad wirklich zum Kotzen. Wir dürfen arbeiten, aber wir haben keine Kunden für unsere Kurse und viele Abnehmer unserer Produkte fallen weg, usw.

 

Was ich zum Heulen finde

Familienväter, die mit viel Herzblut etwas aufgebaut haben, sind im vollen Gallopp gebremst worden. Es werden viele tolle Produkte verschwinden. Viele kämpfen ums Überleben ihrer Firma und viele auch ums nackte Überleben. Sie wissen nicht, wie sie zum Ende des Monats ihre Rechnungen oder womit sie ihren nächsten Wocheneinkauf bezahlen sollen.

 

Das macht mich traurig. Das macht mich wütend. Das finde ich so beschissen an diesem Virus! Ja, wir haben ein gutes Sozialsystem in der Schweiz. Aber es  ist schlimm, wenn alles wofür man die letzten Jahre gearbeitet hat, kaputt geht. Wenn keine Idee hat, wie man das Geld verdienen soll, um seine Familie zu ernähren. Manchmal kann man bei Kollegen aushelfen. Nur, im Moment suchen sehr viele eine Stelle.
Für Selbständige heisst es im Moment oft: Von wenig ist weniger bald mal nichts mehr. 

 

Ein erneuter Lockdown ist eine wirtschaftliche Katastrophe

Für wen denn? Warum ist kein Lockdown keine Katastrophe? Weil es nur die kleinen nimmt? Und einige von den Grossen, die in den letzten Jahren keine Rücklagen gemacht haben? "Wer wegen den drei Monaten im Frühling gleich pleite ist, der hat vorher schon ein Problem gehabt", so dachte ich noch zu Beginn des Lockdowns im März auch noch. 

Drei Monate, schaffen wir! So die Parole von mir und vieler meiner Kollegen im Frühling.

 

Aber jetzt? Die Rücklagen sind aufgebraucht. Kein Lockdown = kein Geld. Konkurs oder Betrieb freiwillig schliessen. Mitarbeitende entlassen, dass diese wenigstens Arbeitslosengeld beantragen können. Die Mietverträge meist langjährig, nicht einfach so kündbar. Alle Kosten herunterfahren, wo es nur geht. Mal überlegen, was sich vom Tafelsilber noch zu Geld machen könnte. Das ist die Katastrophe! Jedes einzelne Schicksal meiner Kolleg*Innen berührt mich tief. Macht mich traurig und lässt mich Tränen vergiessen. Auch Tränen der Wut.

 

Der Genuss ist einer der Verlierer

Keine Weihnachtsmärkte, keine Weihnachtsfeiern. Daheim bleiben, Ansammlungen vermeiden. Das habe ich verstanden und finde ich sinnvoll. Nur so schaffen wir es der Pandemie beizukommen. 

Aber es ist alles abgesagt, keiner geht mehr raus, warum denn nicht einfach zu und fertig? Wegen der Wirtschaft, wegen des Geldes! Das ist mir irgendwie schon klar. Jetzt ist es einfach unser Geld. Das, was wir Einzelunternehmer nicht haben, das was wir nicht verdienen können. Vielen von uns gehen die Reserven aus. 
 

Strengt Euch einfach mehr an!

Seid innovativer, wird uns gesagt. Mach mehr Werbung, verkauf mehr! Hallooo? Wir sind seit bald 9 Monaten "innovativ"! 

Aber wir haben keine Luft mehr und die Existenzangst frisst uns auf. Wir können Krankenkasse und Miete für unsere Familien nicht mehr bezahlen. Das macht es schwierig Genuss zu produzieren. Aber versprochen, noch geben wir nicht auf!

 

Ein kleines bisschen Optimismus habe ich noch: viele werden sich nach der Krise neu erfinden. So sind wir, wie unbelehrbaren Optimisten. Wir, die wir uns dem Genuss verschrieben haben. Aber es kostet viel Kraft und einige werden am Schluss keine mehr haben. 

 

Und zum Schluss noch dies

Es ist mir wichtig dass du weisst: Familie Rührwerk geht es gut. Ich habe das Glück, Herr Rührwerk kann ganz normal arbeiten. Dank des Lockdowns habe ich sogar viel Neues entdeckt und bin guten Mutes, was meine Manufaktur betrifft. Du darfst gespannt sein, auf das was kommt.

 
Ich bin mir sehr bewusst, dass wir uns und andere vor einer Coronainfektion schützen müssen. Das ist mir sehr wichtig, und ich halte mich äusserst genau an die Vorschriften. Schliesslich möchte ich nichts lieber, als dass das Virus schnell verschwindet und wir alle wieder mit mehr Leichtigkeit und Freude durch den Alltag gehen können. Ich vermisse meine Familie und gäbe viel darum mit meinen Lieben Weihnachten zu feiern. Das geht halt im Moment alles nicht. Das ist für mich ok.   

Aber du kannst uns helfen: Kauf deine Weihnachtsgeschenke bei einem Kleinproduzenten. Unter dem Artikel findest Du eine Liste von Manufakturen und Kursanbietern, die mir sehr am Herzen liegen. Es gibt so viele wunderbare Genuss-Geschenke, von wunderbaren Menschen, mit viel Liebe von Hand gemacht. 

 

Und wer gerne Rühr-Werke verschenken möchte, kann diese selbstverständlich bei mir im Shop bestellen. Ein Kursgutschein für einen Kurs bei Frau Rührwerk ist übrigens ein geniales Geschenk, weil die nächste Einmachsaison kommt sicher, Corona hin oder her. 

 

Kommt alle möglichst gesund durch diese wirren Zeiten und vergesst nicht:
Kein Genuss ist keine Lösung!


Nachdenkliche Grüsse 

 

Eure Frau Rührwerk 


Hier gibt es wunderbare Genussgeschenke:

Produzierst Du auch etwas Feines? Fehlt Deine Manufaktur? Lass es mich wissen!