Was meine Werte mit Corona zu tun haben

In Zeiten wie diesen, es ist die grosse Corona-Krise, wir sitzen alle zuhause und ich habe plötzlich Zeit über Dinge wie Werte und das Warum nach zu denken. 

Noch vor einem halben Jahr konnte sich niemand vorstellen, dass dieses Virus auch in Europa sein würde. Dass wir nicht tun und lassen können, was wir möchten, sondern angehalten sind, daheim zu bleiben war damals undenkbar. Und jetzt tun wir es alle. - Wir sind daheim, unterrichten unsere Kinder, halten Abstand und stossen per Zoom-Call mit Proseco auf Geburtstage an. Jeder bei sich daheim. Vor einem halben Jahr wusste ich nicht mal, dass es so etwas wie Zoom gibt. Und jetzt sind Videotelefonie und Homeoffice an der Tagesordnung. 

 

Frau Rühr-Werk im Homeoffice

Eigentlich darf ich ja arbeiten. Ich bin mit meinen Rühr-Werken ein Lebensmittelbetrieb, defakto bin ich systemrelevant (wenn auch nur ein kleines Bisschen ;-) Selbstverständlich beliefere ich die Geschäfte, die meine Produkte verkaufen und habe den Online-Shop geöffnet. Nur Märkte und Events können nicht stattfinden. Aber sind wir mal ehrlich: mit Homeschooling bin ich gut beschäftigt. 

 

Von einem Tag auf den anderen viele neue Jobs

Plötzlich bin ich Lehrerin, ich betreibe eine Kantine, bei schönem Wetter bin ich auch Gärtnerin und Animateurin bin ich manchmal auch. Dazu kommt dass ich auch ein Lexikon bin (ok. manchmal muss auch ich Frau Google fragen) . Und ich bin Zuhörerin. 
Mitarbeiterin der Wäscherei und im Hausdienst war ich vorher schon und auch Köchin ist eigentlich nicht neu. Ich bin also mehr als ausgelastet und ab und zu auch mit meinen Nerven am Ende. Und nein, ich bin nicht verliebt in die ach so tolle kuschlige, mit basteln und singen gefüllte Lockdown-Zeit. Ich finde es grad mühsam und anstrengend. Und ich bin mehr als froh, wenn am 11. Mai die Schulen wieder öffnen. Ich hoffe ganz fest, dass das funktioniert und wir alle wieder zurück dürfen in unseren Alltag. 

 

Will ich überhaupt zurück in den alten Alltag?

Ehrlich gesagt, will ich das nicht. Auf keinen Fall. Ich will auch nicht im Lockdown bleiben. Diesem werde ich nur bedingt nachtrauern. Aber was will ich dann? 

Das ist eine gute Frage. Die kann ich jetzt noch nicht beantworten. Das schöne am Ausgebremst sein finde ich, dass ich Zeit habe, mir Gedanken zu machen. Zu überlegen, was ich wieder zurück haben will und was ich nicht mehr möchte. 

 

Welcher Alltag darf es denn sein?

Vielleicht hat es etwas mit Werten zu tun. Nur wenn ich mir bewusst bin, welche Werte ich in meinem Alltag leben will, kann ich meinen neuen Alltag planen. Werte brauche ich auch um zu merken, was nicht mehr zu mir passt. Und es braucht später sicher auch ein paar klare Veränderungen und Bekenntnisse zu Sachen die bleiben dürfen. Meine Grundwerte im Bezug aufs Bloggen sind die gleichen wie vor Corona: Nachhaltigkeit, Genuss und Professonalität.

 

Schon spannend, dass es genau diese Dinge sind, die zu Hause manchmal auf der Strecke bleiben. Ok. bei Professionalität hole ich mir dann einfach einen Profi, wenn ich etwas im Haus nicht fixen kann. 
Aber gerade bei der Nachhaltigkei und auch beim Genuss machte ich bisher Kompromisse. Weil ich keine Zeit hatte. Weil es schneller ging. Schnell in der Küche ist oft verbunden mit mehr Abfall, höherer Convenience-Stufe und damit oft auch mit weniger Genuss. - Schon schräg oder? Warum mache ich das? Warum hatte ich die Zeit für uns nicht? Und an welcher Schraube muss ich drehen, dass ich genau das habe? Zeit für unser Wohl? Hmmm... daran werde ich wohl noch etwas arbeiten müssen.